KI-Richtlinie im Unternehmen: Was muss rein?

Von Eirini C. Lika


Ohne interne KI-Richtlinie verlassen vertrauliche Daten täglich das Unternehmen. Was eine rechtssichere Richtlinie regeln muss — und warum sie nicht optional ist.

Eine interne KI-Richtlinie ist ein unternehmensinternes Regelwerk, das den rechtssicheren und verantwortungsvollen Einsatz von KI-Systemen durch Mitarbeiter und Dritte regelt. Sie ist kein regulatorisches Luxusinstrument, sondern eine praktische Notwendigkeit für jedes Unternehmen, das generative KI, KI-gestützte Analysetools oder automatisierte Entscheidungsprozesse in seinen Abläufen einsetzt. Fehlt eine solche Richtlinie, entstehen Risiken in drei Bereichen: Datenschutz, Haftung und regulatorische Compliance nach dem EU AI Act.

Warum Unternehmen eine KI-Richtlinie brauchen

Generative KI-Systeme wie Large Language Models verarbeiten Eingabedaten auf den Servern des jeweiligen Anbieters. Werden vertrauliche Unternehmensdaten, personenbezogene Kundendaten oder Geschäftsgeheimnisse in Prompts eingegeben, verlassen diese Daten das Unternehmen. Ohne klare Regeln passiert das täglich — und oft ohne Kenntnis der Unternehmensführung. Eine KI-Richtlinie schließt diese Lücke, schafft Bewusstsein bei Mitarbeitern und schützt das Unternehmen vor unbeabsichtigten Verstößen gegen DSGVO und Geschäftsgeheimnisschutzgesetz.

Kernelemente einer rechtssicheren KI-Richtlinie

Zulässige KI-Systeme und Anbieter: Die Richtlinie legt fest, welche KI-Tools freigegebenen sind — nach Prüfung der Nutzungsbedingungen, Datenschutzerklärungen und Auftragsverarbeitungsverträge. Ein unkontrollierter Wildwuchs von KI-Tools schafft rechtliche und sicherheitstechnische Risiken.

Eingabebeschränkungen: Klare Regeln, welche Datenkategorien in externe KI-Systeme eingegeben werden dürfen. Personenbezogene Daten, Mandantendaten, Finanzinformationen und Geschäftsgeheimnisse müssen in der Regel ausgeschlossen oder pseudonymisiert werden.

Kennzeichnung KI-generierter Inhalte: Wann müssen Inhalte als KI-generiert gekennzeichnet werden — intern, gegenüber Kunden, in der Öffentlichkeit? Die Anforderungen des Art. 50 EU AI Act (ab August 2026 anwendbar) müssen hier berücksichtigt werden.

Qualitätskontrolle und menschliche Prüfung: Verpflichtung der Mitarbeiter, KI-Outputs auf Richtigkeit, Vollständigkeit und Compliance zu prüfen, bevor sie gegenüber Kunden oder Dritten verwendet werden. Diese Pflicht ist gleichzeitig eine Voraussetzung für bestimmte Haftungsfreistellungen und für die Ausnahme von der Kennzeichnungspflicht nach Art. 50 Abs. 4 EU AI Act.

Verantwortlichkeiten und Eskalationsprozesse: Benennung eines zentralen Ansprechpartners für KI-Fragen sowie klare Prozesse für den Umgang mit Zwischenfällen und Meldepflichten.

KI-Richtlinie und EU AI Act: Was Betreiber wissen müssen

Der EU AI Act begründet für Betreiber von KI-Systemen eigenständige Compliance-Pflichten, die über interne Governance-Maßnahmen hinausgehen. Für Hochrisiko-KI-Systeme sind spezifische technische und organisatorische Maßnahmen, menschliche Aufsicht und Dokumentationspflichten vorgeschrieben (Art. 26 EU AI Act). Eine interne KI-Richtlinie kann diese Pflichten nicht ersetzen, ist aber ein wesentlicher Baustein der Compliance-Dokumentation.

Beratungsansatz

Ich entwickle KI-Richtlinien, die auf die konkrete Unternehmensgröße, Branche und den KI-Einsatz zugeschnitten sind. Das umfasst eine Bestandsaufnahme der genutzten KI-Systeme, die Identifikation der relevanten Rechtsgrundlagen (DSGVO, EU AI Act, GeschGehG), die Ausarbeitung der Richtlinie sowie — auf Wunsch — die Sensibilisierung und Schulung der Mitarbeitenden. Die Beratung ist in Deutsch, Englisch und Griechisch möglich und berücksichtigt grenzüberschreitende Anforderungen für Unternehmen in der EU, dem UK und Griechenland.

_Hinweis: Die auf dieser Seite bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellen keine Rechtsberatung dar._

Eirini C. Lika

Rechtsanwältin · Solicitor · LL.M.

Als Rechtsanwältin (Griechenland), Solicitor England & Wales und niedergelassene europäische Rechtsanwältin in Deutschland berate ich an der Schnittstelle von Technologie und Regulierung. Mein Fokus liegt auf der praktischen Umsetzung komplexer regulatorischer Anforderungen — insbesondere im Bereich KI-Governance, Datenschutz und grenzüberschreitende Compliance.

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